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letztes UpDate 24/02/07

graphisch und typographisch korrekt

Informationsübertragung

Mithilfe eines Dokuments soll Information übertragen werden. Mit Informationsübertragung ist demnach nicht gemeint, dass der Empfänger das Dokument erhält. Der Empfänger muss die Information, die in dem Dokument steckt, aufnehmen und gegebenenfalls seine weiteren Handlungen daran orientieren.

Die Grundforderung, dass die Informationsübertragung mit Dokumenten einfach, schnell und sicher sein soll, bezieht sich auch darauf, dass das Dokument entsprechend übertragen wird. Beispielsweise bei Internet-Dokumenten kann eine schnelle und sichere Informationsübertragung durchaus technisch problematisch sein. Im hier betrachteten Zusammenhang soll dies allerdings nicht näher betrachtet werden; hier soll vielmehr die “Informationsaufnahme” durch den Empfänger, d. h. in der Regel das Lesen und Erfassen betrachtet werden. Losgelöst vom technischen Aspekt der Datenübertragung stehen die folgenden Aspekte im Vordergrund.

“Einfach” bedeutet, dass der Empfänger keine aufwändigen Hilfsmittel einsetzen muss wie z. B. Lupen bei “Winzlingsschriften”, Wörterbüchern bei Fachbegriffen aus Randgebieten oder auch Kombinationsvermögen bei einer Unzahl ungebräuchlicher Abkürzungen.

“Schnell” lässt sich der Inhalt eines Dokuments erfassen, wenn es grafisch, insbesondere typografisch, korrekt aufgebaut ist. Dazu kommt natürlich eine einfache und “korrekte” Sprache bzw. Schreibweise.

grafisch und typografisch korrekt

Vielfach findet sich das Argument: “Es steht doch alles drin”, wenn die Form eines Dokuments ungeeignet ist. Hierzu die folgenden (Gegen-)Beispiele.

Das folgende Beispiel zeigt, dass die äußere Form sich ganz entscheidend auf das schnelle und sichere Erfassen einer Information auswirkt. Sechsmal wird der Leser vor einer Gefahr gewarnt. Welcher Warnung wird er am ehesten bzw. am schnellsten Glauben schenken?

 

Schild Lebensgefahr Arial 2

Lebensgefahr (003, Arial 3, 0300x0225)

Schild Lebensgefahr Victorian LET Copperplate Gothic Light

Schild Lebensgefahr Arial 1

Schild Lebensgefahr Verdana

Schild Lebensgefahr University Roman LET


Auch bei den folgenden Speisekarten scheint das Menü unterschiedlich zu sein, obwohl nur Schriftart und Anordnung unterschiedlich sind.

Speisekarte 1 Frutiger Linotype

Speisekarte 2 Milano LET

Speisekarte 3 Copperplate Gothic Light

Speisekarte 4 Adolescence


Im nächsten Beispiel soll anhand eines einfachen Textes gezeigt werden, dass – vor allem in Bildschirmdarstellung – eine Schriftart deutlich besser lesbar ist als die andere. Die Wahrscheinlichkeit, das jemand den in Times New Roman gesetzten Test nicht liest ist sicherlich relativ hoch.

Artikel 5, Times New Roman Frutiger Linotype

Dass es eine Untersuchung gibt, wie viele Todesfälle jedes Jahr auf die Verwendung falscher Schriftarten bei Arzneimittelbeipackzetteln zurückzuführen sind, ist wahrscheinlich ein Märchen.

Die Schriftart Times New Roman ist für große Zeilenlängen bei geringem Zeilendurchschuss nur schwer lesbar. Die serifenlose Frutiger Linotype, etwas größer gesetzt, ergibt in Verbindung mit der großzügigeren Formatierung ein erheblich ansprechenderes Bild.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie sich die Times New Roman bei kürzeren Zeilenlängen besser darstellt, während die Frutiger Linotype den doppelten Zeilenabstand eher weniger gut verträgt.

Artikel 5,Times New Roman

Artikel 5, Frutiger Linotype

Der hier verwendete Text aus dem deutschen Grundgesetz ist unter www.bundestag.de zu finden - leider auch in einer eher unglücklichen Schriftdarstellung.

Die volle Spaltenbreite ist bei der obigen Darstellung auf 16,2 cm gesetzt. Damit ergibt sich eine 600 Pixel breite Grafik bei einer Auflösung von 94 dpi effektiv. Zugrundegelegt ist hier - für den Nutzer nicht beeinflussbar - eine typische Monitor-Auflösung, die meist bei etwa 96 dpi liegt. Diese geringe Monitorauflösung zeigt den hier vorgestellten Effekt natürlich weitaus weniger deutlich als ein gedrucktes Dokument, das meist mit 300 dpi und mehr dargestellt wird.

Nur (Gegen-)Beispiele?

Es wäre sicherlich einfacher, wenn es einfache “Kochrezepte” gäbe, wie ein Dokument grafisch bzw. typografisch korrekt aufgebaut werden kann. Leider lassen sich allgemeingültige Regeln zu diesem Thema nicht oder nur in Einzelfällen aufstellen.

Der pragmatische Ansatz ist, Gegenbeispiele zu zeigen, um damit eine gewisse Sensibilisierung zu erzeugen. Werden dann Beispieldokumente oder Dokumentvorlagen angeboten, sollte sich zumindest eine gewisse Bewegung in die richtige Richtung ergeben.